HIV und Covid-19


Corona und HIV

Jürgen M.-N. März 2020

(BHIVA COVID-19 ART guidelines, Mai 2020)

 

Die British HIV Assoziation (BHIVA) hat Ende Mai 2020 Guidelines zur Behandlung von HIV Patienten in der Covid 19 Pandemie und allgemeine Empfehlungen veröffentlicht.

In diesen Guidlines werden folgende Feststellungen getroffen:

 

1. Für gut eingestellte HIV Infizierte mit CD4 Werten < 200/ µl und negativer Viruslast besteht kein erhöhtes Risiko. Bisherige Erkenntnisse deuten darauf hin, dass das Risiko schwerer COVID-19-Erkrankungen mit dem Alter, dem männlichen Geschlecht und bei spezifischen chronischen medizinischen Problemen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischen Lungenkrankheiten, Adipositas sowie Diabetes zunimmt. Andererseits sind Menschen mit einer gut behandelten HIV-Infektion – also bei einer funktionierenden medikamentösen Therapie mit normaler CD4-Zellzahl und unterdrückter Viruslast – nach aktuellem Stand keinem erhöhten Risiko für eine COVID-19-Erkrankung ausgesetzt

 

2. Zahl der Krankenhaus- und Arztbesuche reduzieren

 

3. Als First-Line-ART für die Initialtherapie empfiehlt die BHIVA während der Corona-Pandemie das Single-Tablet-Regime Bictegravir/Emtricitabin/Tenofovir-alafenamid (BIC/FTC/TAF; BIKTARVY®)

Anmerkung des Autors (JMN): Das Medikament wird ja schließlich von einer britischen Firma vertrieben!

 


Soziale Distanz als Belastungsfaktor

Jürgen M.-N. 13. November 2020

 

Wir stecken mitten in der zweiten Welle der Pandemie. Furchtbare Nachrichten über ein überfordertes Gesundheitswesen werden häufiger. Je länger eine Krise andauert und wir alle psychischen Belastungen wie gesellschaftlichen Druck und Angst ausgesetzt sind, desto eher sind die individuellen Selbstheilungskräfte überfordert. Viele klagen bereits über Erschöpfung und es kommt häufiger zu akuten Belastungsreaktionen oder sogar länger andauernden seelischen Störungen. Ein Ende der Corona-Pandemie mit den damit verbundenen Einschränkungen ist derzeit nicht abzusehen. Fachleute aus allen Bereichen der Medizin äußern sich zunehmend sorgenvoll. Die Psychotherapeutenkammer (BPtK), die deutsche Gessellschaft für Psychiatrie und Psychosomatik (DGPPN) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) äußern Befürchtungen, die zur Eindämmung des Infektionsgeschehens empfohlene soziale Distanz bis zur sozialen Isolierung könnte längerfristig wesentlich mehr Schaden anrichten als Nutzen. Pädagogen warnen, dass zeitgemäßer inklusiver Unterricht, der individuell auf die Kinder eingehen kann mit den eingeschränkten Möglichkeiten in der Pandemie nicht mehr möglich ist. Viele Kinder bleiben auf der Strecke.  Die langfristigen teilweise unumkehrbahren psychosozialen Folgen der Pandemie und der Maßnahmen zu ihrer Eindämmung sind kaum abzuschätzen.

Gesichtslose und distanzierte Menschen

Ein Auzug aus einem sehr guten Telepolis-Artikel zu dem Thema psychische Belastung bei Corona:

" Eine übersehene Pandemie  - 
Stellen Sie sich vor, es gäbe eine Krankheit, die hierzulande immer häufiger auftritt und chronische Schmerzen verursacht - eine ansteckende, von der medizinischen Wissenschaft auch kaum erforschten Krankheit, die sich schneller ausbreitet, als die Immunität gegen sie aufgebaut werden kann, und die als eine der häufigsten Todesursachen in der zivilisierten westlichen Welt eingestuft wird. Eine Krankheit, die das Aufkommen anderer Leiden begünstigt, von Erkältungen über Depressionen und Demenz bis hin zu Herzinfarkten, Schlaganfällen und Krebs. Diese Krankheit wäre mithin ein bedeutender Risikofaktor für andere häufige und tödliche Krankheiten. Zugleich wäre sie tückisch, denn viele Betroffenen wüssten gar nicht, dass sie an ihr leiden."

Gemeint ist EINSAMKEIT.

Stellen Sie sich weiter vor, die Kinder lernen jetzt in den Kitas und Schulen, dass von den Mitschülern und anderen Menschen eine Gefahr ausgeht die tödlich sein kann. Wenn dieses Wissen generalisiert abgespeichert wird, wird auch eine mögliche Impfung daran nur wenig ändern können.

Daraus resultieren dauerhafte SOZIALE ÄNGSTE.

Ich habe mal ein Seminar zum Thema Salutogenese besucht. Damit ist die Fähigkeit gemeint , die zur Entstehung und Erhaltung der eigenen Gesundheit notwendig ist. Hier wurden mehrere Faktoren beschrieben: U.a. Optimismus, Lösungsorientierung, Verantwortung übernehmen, Netzwerke aufbauen, Zukunft planen. All das geht in unserer momentanen Situation nicht mehr. Vielmehr erleben wir mehr oder weniger täglich Gefühle der Ohnmacht, des Ausgeliefert Seins, Einsamkeit, angespannt sein, Ängste die auf die Zukunft gerichtet sind und gerade eben die Unmöglichkeit für zumindest die nähere Zukunft planen zu können. Niemand weiß, was in den nächsten Monaten in Zusammenhang mit Corona passieren wird. Wir halten uns an wagen Hoffnungen fest wie das es wieder eine Frühjahrserholung oder vielleicht eine Impung geben wird. Aber es bleibt eine MASSIVE VERUNSICHERUNG.

Es ist dringend Zeit, dass die politisch Verantwortlichen endlich anfangen sich auch um die emotionale Seite der Pandemie zu kümmern um schlimme psychozozialen  Langzeitfolgen in unserer Gesellschaft zu verhindern.