Aktueller Stand der "Infected Blood Compensation Scheme" (UK)

 

Kurzüberblick über Entstehung, Struktur und aktuelle Entwicklungen

Zwischen den 1970er und 1990er Jahren wurden im britischen Gesundheitswesen Tausende Menschen durch kontaminierte Blut- und Blutprodukte mit HIV und Hepatitis C infiziert. Der Abschlussbericht der Infected Blood Inquiry (Mai 2024) bezeichnet den Skandal als eine der größten Gesundheitskatastrophen des Landes. Als Reaktion wurde 2024/2025 das Infected Blood Compensation Scheme geschaffen – das erste umfassende gesetzliche Entschädigungssystem für alle Betroffenengruppen in UK.

Quellen:


Was ist passiert?

  • Zehntausende Patienten erhielten kontaminierte Blutprodukte über den NHS.

  • Jahrzehntelange Versäumnisse und Vertuschungen wurden dokumentiert.

  • Zahlreiche Betroffene starben, viele leben bis heute mit schweren Folgen.

  • Die Regierung stellt dafür insgesamt 11,8 Mrd. £ bereit.

Quelle:


Wie entstand das Entschädigungssystem?

  • 2022–2024: Interimszahlungen von 100.000 £ und 210.000 £, noch vor der Verabschiedung der gesetzlichen Regelungen.

  • August 2024: Erste gesetzliche Grundlage (Infected Blood Compensation Scheme Regulations 2024).

  • Oktober 2024: Registrierung für Anspruchsberechtigte beginnt.

  • 31. März 2025: Vollständige Implementierung durch die Regulations 2025.

Zuständig ist die neue Infected Blood Compensation Authority (IBCA):
https://ibca.org.uk/

Rechtsgrundlagen:


Wer erhält Entschädigungen?

Der Anspruch gilt für:

  • HIV- und HCV-Infizierte Personen

  • Partner

  • Kinder

  • Eltern

  • Geschwister

  • sowie Hinterbliebene 

Erstattet werden u. a.:

  • körperliche und seelische Schäden

  • soziale und berufliche Einschränkungen

  • Pflegekosten

  • finanzielle Verluste

Details der Kategorien:
https://ibca.org.uk/compensation/


Aktueller Stand (18. November 2025)

Laut IBCA Community Update (18. November 2025):

  • 13.239 Fälle wurden bis jetzt registriert

  • 3.614 Aufforderungen zur vollständigen Antragstellung

  • 2.621 Entschädigungsangebote wurden unterbreitet

  • 2.271 Fälle erhalten bereits Zahlungen

  • > Eine Summe von 2 Mrd. £ wurde bereits genehmigt
    → Das bedeutet im Durchschnitt ~1 Mio. £ pro Antragsteller

Fälle mit stark eingeschränkter Lebenserwartung werden bevorzugt bearbeitet.

Die Antragsphase wurde auf weitere 6 Jahre ausgedehnt.

 

Quelle:


Wie viele Menschen wurden in GB  mit HIV und/oder HCV infiziert?

Schätzungen verschiedener Organisationen:

 

 


 

Schlussfolgerungen für die Betroffenen in Deutschland

 

Obwohl es im Vereinigten Königreich bereits seit 2017 ein freiwilliges Entschädigungsprogramm für HIV- und HCV-Infizierte gab, war es der Tory-Regierung unter Premierminister Rishi Sunak ein Anliegen, die Entschädigungszahlungen auf eine verlässliche, umfassende gesetzliche Grundlage zu stellen – und zwar für alle betroffenen Gruppen und mit deren Mitwirkung.

In Deutschland hingegen wurde seit 1994 versäumt, die Erkenntnisse des damaligen Untersuchungsausschusses umzusetzen. Die politische Aufarbeitung stagniert seither, und ein modernes, gerechtes, gesetzlich gut abgesichertes Entschädigungssystem ist weiterhin nicht in Sicht.

Wir weisen hier noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass weiterhin jedes Jahr viele Menschen an den Folgen dieser Infektionen sterben. Sie und ihre Familien werden von der Politik weiter allein gelassen.

Im Vereinigten Königreich hat die umfassende Datenerfassung und -speicherung im nationalen Gesundheitssystem (NHS) maßgeblich dazu beigetragen, dass eine systematische Entschädigung der Opfer möglich wurde. In Deutschland existieren vergleichbare Datenstrukturen im Gesundheitssystem nicht. Die Daten der Krankenkassen sind bis heute nicht ausgewertet worden. Das Robert Koch-Institut (RKI) erfasst HIV- und HCV-Infektionen zwar - als meldepflichtige Infektionen -  jedoch ohne Angaben zu den Ursachen. Für historische Fälle (z. B. Bluttransfusionen vor den 1990er Jahren) ist eine lückenlose Rückverfolgung kaum möglich — das macht Entschädigungen oder Anerkennung von Schäden schwierig. Für Opfer von Blutprodukten — insbesondere mit HCV — bleiben damit viele Fälle im Dunkeln. Obwohl man heute in der BRD grobe Schätzungen für HIV-Infizierte hat, sind gerade bei HCV viele Fälle unentdeckt — es besteht deshalb ein hohes Risiko, dass tatsächliche Infektionszahlen deutlich unterschätzt werden!.  Eine konsequente Datenerhebung und Nachverfolgung mit Hilfe von Studien wäre eine  wichtige Voraussetzungen, um mögliche Ansprüche besser bewerten zu können — ähnlich wie im britischen System, welches wir oben beschrieben haben. Zukünftige Entschädigungssysteme müssen diese Unsicherheiten anerkennen — und ggf. auch mit Schätzungen oder vereinfachten Kriterien (z.B. Eidesstattliche Versicherungen von Ärzten oder Angehörigen) arbeiten, um Opfern gerecht zu werden.

 

Quellen Deutschland:


Zusammengestellt und übersetzt mit Unterstützung von ChatGPT. Wir werden die Entwicklungen im Vereinigten Königreich weiterhin aufmerksam verfolgen und an dieser Stelle regelmäßig über neue Erkenntnisse berichten.


 

 © Jürgen Möller-Nehring, VOB, November 2025