Noch immer "schmutzige" Geschäfte!

Artikel im Züricher Tagesanzeigers vom 01.03.2017: "Schmutzige Blut-Geschäfte einer Schwyzer Firma"

Octapharma ist eine Pharmafirma, die in den 80er Jahren eine wichtige Rolle im Blutskandal spielte. Die Firma existiert noch heute und hat ihren Sitz in der Schweiz. Sie macht einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro jährlich (Zahlen von 2018)!

 

Geschäftsführer, Gründer und seit 1996 alleiniger Eigentümer der Firma Octapharma ist Wolfgang Marguerre (79). Er baute sie schrittweise zum weltgrößten Produzenten von Medizinprodukten auf der Basis von menschlichem Blutplasma aus. Davor war er unter anderem als Direktor der Baxter travenol Europe (Werbeslogan: "Der Schnittpunkt an dem Leben gerettet und erhalten wird") in Brüssel tätig. Diese Firma war ebenfalls maßgeblich am Blutskandal beteiligt. Heute ist er einer der reichsten Bürger Heidelbergs. Er wird mit seinem Vermögen von geschätzt 6,1 Milliarden US-Dollar als einer der vermögendsten Männer Deutschlands eingestuft.

 

Die Liste seiner Verdienste und Ehrungen, die auf Wikipedia und auf anderen Internetseiten aufgeführt werden, ist schier endlos. Sie reicht vom goldenen Ehrenzeichen des Landes Österreich, über den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg bis zur Verleihung der Mitgliedschaft in der Ehrenlegion, der höchsten Ehrung, die Frankreich zu vergeben hat. Er betätigt sich heute auch als Mäzen, unter anderem für die Stadt Heidelberg und ist Förderer von Kulturprojekten und macht selbst Musik als Kammermusiker. Im April 2019 wurde bekannt gegeben, dass Marguerre die Sanierung der Heidelberger Stadthalle mit 20 Millionen Euro unterstützen wird, das Foyer der Stadthalle soll dann nach der Renovierung in "Octapharma-Foyer" umbenannt werden.

 

Seine Rolle in dem damaligen Skandal ist fast völlig in Vergessenheit geraten. Strafen gegen die verantwortlichen Manager, die durch ihr Handeln die Verantwortung für den Blutskandal tragen, wurden nie verhängt, obwohl inzwischen tausende Menschen als Folge der damaligen Katastrophe leidvoll verstorben sind. Beteiligungen an den Entschädigungszahlungen hat Octapharma und ihr verantwortlicher Eigentümer nie gezahlt.

 

Als Betroffene des Blutskandals und als Menschen, die diese Katastrophe überlebt haben, fragen wir uns immer wieder: Wie kann es sein, dass in diesem Rechtsstaat die Verantwortlichen für den damaligen Skandal nie belangt worden sind und bis heute ungehindert nahezu den gleichen Geschäften nachgehen können? Für die Opfer und deren seelischen und gesundheitlichen Schäden muss selbstverständlich der Staat und die öffentliche Hand aufkommen. Auf der firmeneigenen Homepage heißt es: "1983 - Wolfgang Marguerre gründet Octapharma mit dem Ziel, sichere und hochreine Arzneimittel aus menschlichem Plasma herzustellen. Zunächst liegt der Schwerpunkt auf der Therapie der Hämophilie A (...)". Für die noch lebenden Geschädigten ist dieser Satz eine Zumutung und ein nicht nur symbolischer Schlag ins Gesicht. Bis heute scheint Herr Marguerre überzeugt zu sein, dass er zurecht mit hehren Zielen Plasmaderivate mit enormen Gewinnen vermarktet (Siehe Interview mit ihm im unten verlinkten Video).

 

Warum hat sich in der Politik bis heute niemand getraut, den Handel mit Blut bzw. Blutbestandteilen endlich transparent und sicher zu machen und die skrupellose Geschäftemacherei in diesem Bereich endlich zu beenden? Die Praxis, auf dem Rücken leidender Menschen zu Lasten der Kassen horrende Summen Geld zu verdienen, muss endlich abgestellt werden! JMN

 

Quellen:

https://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/standardschmutzige-geschaefte/story/19563076

https://www.octapharma.de/de/ueber-uns/unternehmen/meilensteine.html

https://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/271/der-feine-herr-marguerre-3666.html

https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13681598.html

https://www.zeit.de/1993/47/die-ware-blut/komplettansichtj

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